Winter im Murgesenland

Bei Anfragen zum Murgesenpferd wird öfters die Frage laut, ob die Murgesen aus Apulien das Klima Mittel-oder Nordeuropas im Offenstall überhaupt überleben. Hartnäckig hält sich nämlich die Ansicht, in Süditalien sei es durchgehend angenehm warm, im Sommer heiss, ansonsten um die 15 Grad. Schön wärs, ist leider ein Trugschluss!
Uns fröstelt immer beim Anblick der Murgeseinteressenten, die sich im Februar zum Treffpunkt im Fleece-Outfit zeigen, während sich die Apulier in Daunenjacken hüllen und nur das Haus verlassen, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt.
Das Zuchtgebiet des Murgesen um Martina Franca, wo in den 30er jahren der Zuchtverband gegründet wurde, liegt, um genau zu sein, 431 Meter über dem Meeresspiegel. Das bedeutet, dass es auf dem Hügel im Sommer kühler und auch im Winter kälter ist als an der Adria oder der ionischen Küste. Die Murgesen und auch die einheimische Grosseselrasse benannt nach der Stadt Martina Franca sind es gewohnt sehr heisse, trockene Sommermonate bei kargen Böden und geplagt von variantenreichen Insektenschwärmen sowie feuchtkalte, nasse Wintermonate auf karstigem Unterboden im Freien auszuhalten. Die Rasse der Murgesen zeichnet sich durch Robustheit aus; nicht selten kommen die Fohlen bereits im Februar zur Welt, bei Nächten um die 0 Grad, bei Schnee oder Regen, mindestens aber bei 85% Luftfeuchtigkeit, selbstverständlich im Freien.
Die Unterbringung im Offenstall in den Schweizer Bergen, bei Innsbruck oder im Norden Deutschland lässt, so glauben wir, jedes Murgesenherz höherschlagen. Da wir mit vielen Murgesenfreunden über Jahre hinweg Kontakt halten, bekommen wir die Rückmeldung, dass die Murgesenpferde gerne im trockenen Schnee toben und im Winter aktiver sind als im Sommer.
Letzte Nacht wurden zwischen Martina Franca und Noci, also dem Herzen des Zuchtgebiets -5 Grad registriert.

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